Rathjegruppe - 01.12.2014

Kinderversicherung:
Aller Anfang ist schwer


Versicherungen für Kinder


Eltern wollen für ihre Sprösslinge nur das Beste. Doch was darunter zu verstehen ist, erweist sich insbesondere in der Kindervorsorge als Herausforderung. Klar ist: Die Absicherung der Kleinen beginnt bei den Versorgern.

Rund 690.000 Erstklässler strömten im Spätsommer 2014 mit bunten Tüten vor der stolzgeschwellten Brust auf die bundesdeutschen Schulhöfe. Eine Einschulung gehört aufgrund ihrer Einmaligkeit zu den unvergessenen Ereignissen im Leben eines Menschen – wer kann sich nicht auch Jahrzehnte später noch an Form und Farbe seiner Schultüte erinnern? Eltern wissen natürlich um die Bedeutung dieses Brauchs und lassen es sich einiges kosten, um den ersten Schultag ihrer Sprösslinge besonders eindrucksvoll zelebrieren zu können.

Sorgenfresser Kinderpolice

Meist haben die Eltern eine genaue Vorstellung, was in die Schultüte ihrer “ABC-Schützen” hineingehört. Dabei gilt die Devise: Spielzeug ist schön, schöner ist Schulzeug – das in Kinderaugen gerade noch als aufregendes Geschenk durchgeht, weil man es zum ersten Mal bekommt. Schreibutensilien wie Füller, Bleistifte oder Lineale gehören laut einer aktuellen Untersuchung des Internetshopping-Portals Preisvergleich.de zur meistgewählten Grundausstattung einer Schultüte. Erst auf dem zweiten Platz folgt ein Spielzeug in Form eines Kuscheltiers.

“Plüschtiere wie der ‚Sorgenfresser‘ sollen vermutlich trösten, wenn am Anfang noch nicht gleich alles auf Anhieb klappt”, mutmaßen die Studienmacher. Beim Sorgenfresser handelt es sich um kleine Monster aus Stoff, deren Mund aus einem Reißverschluss besteht. Das Prinzip des Ganzen ist leicht zu erraten: Sorgen aufschreiben, ab in den Mund, Reißverschluss zu – fertig. Eine Kinderversicherung taucht in der Top-10 der beliebtesten Geschenke zum Schulanfang nicht auf.

Kinder brauchen Schutz

Zugegeben: Der Unterhaltungswert einer Versicherungspolice ist überschaubar, dafür hat sie allerdings das Potenzial, zum echten Sorgenfresser zu werden – auch wenn dies eher für die Sorgen der Eltern gilt, denn ein Kind macht sich noch keine Gedanken über Altersvorsorge, Invalidität, Pflegebedürftigkeit oder wie es sich mit der Unterbringung im Krankenhaus verhält. Ob Kapitalaufbau oder Risikoschutz – das Marktangebot im Bereich der Kinderpolicen ist so bunt und vielfältig, wie die Muster auf den Schultüten der potenziellen Kundschaft.

Da fällt es nicht leicht, die passende Vorsorge auszuwählen. “Kinder brauchen Schutz, auch Versicherungsschutz. Eine sehr gute Absicherung für beste medizinische Versorgung bei langer schwerer Krankheit und auskömmlichen Rentenzahlungen bei bleibender Invalidität oder Pflegebedürftigkeit ist da zuerst zu empfehlen”, sagt Lutz Abromeit, Versicherungsmakler aus Hannover. Allerdings sei vielen Eltern ein solch umfassender Schutz zu teuer, zudem werde der Bedarf oft falsch beurteilt, berichtet Abromeit.

“Wie selten braucht man das?”, heißt es dann oft. “Es wird also nach Kompromissen gesucht. Eine gute Kinderunfallversicherung kostet nicht viel und ist immer noch besser als gar kein Schutz”, erklärt der Makler. Auch der Bund der Versicherten (BdV) empfiehlt besorgten Eltern den Abschluss einer Kinderunfallversicherung und betont zugleich, dass die Grundlage für eine auskömmliche Kinderabsicherung mit einem guten Versicherungsschutz der Eltern gebildet werde.

“Vorrangig sollte für Eltern immer die Absicherung existenzieller Risiken sein. Dass bedeutet für uns auch, dass an erster Stelle immer die Absicherung der Eltern und deren Existenz steht”, sagt Bianca Boss, Pressereferentin des BdV. So sollten beide Partner über Berufsunfähigkeits- als auch Risikolebensversicherungen verfügen. Im Hinblick auf den Schulbeginn, der auch mit gefährlichen Verkehrssituationen auf dem Schulweg einhergehen kann, rät Boss zudem: “Eltern die noch keine gute Privathaftpflichtversicherung haben, sollten dringend eine abschließen.”

Existenzielle Risiken absichern

Für den Fall, dass die Privathaftpflichtpolice für die ganze Familie bestehe, sei auch das Kind mit versichert. Zugleich stellt die BdV-Expertin klar: “Verursacht der Schulanfänger einen Verkehrsunfall, weil er etwa unachtsam über die Straße gelaufen ist, kann er für den Schaden nicht verantwortlich gemacht werden. Denn Kinder sind bis zu ihrem vollendeten siebten Lebensjahr nicht deliktfähig. Im Straßenverkehr erhöht sich die Altersgrenze sogar auf das zehnte Lebensjahr.” Daher sollten Eltern Forderungen des Unfallgegners nicht nachgeben, rät Boss, sondern ihren Privathaftpflichtversicherer einschalten.

Der prüfe die Haftungsfrage und wehre unberechtigte Ansprüche nötigenfalls vor Gericht ab. Darüber hinaus gehöre eine eigene Unfallversicherung für das Kind “auf jeden Fall in die Schultüte”, fährt Boss fort. So zahlt die gesetzliche Unfallversicherung zwar bei Unfällen, die in der Schule passieren sowie auf dem Weg dorthin beziehungsweise von dort zurück nach Hause. Für Unfälle in der Freizeit gilt dies aber nicht.


Foto: Erstklässlerin lernt im Park © Kitty – Fotolia.com